Schlange stehen gegen AKW

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Immer mehr Bürger reihten sich vergangenen Samstag ein, bildeten Schlangen vor Polizeirevieren. Sie wollten Anzeige erstatten wegen Gefährdung Dritter: gegen den französischen Premierminister Édouard Philippe, den Umweltminister Nicolas Hulot und den Energiekonzern EDF. In insgesamt fünf französischen Städten spielten sich diese Szenen ab: In Dünkirchen, Lyon, Bordeaux, Colmar und Thionville - allesamt liegen in der Nähe maroder Atomkraftwerke.

Die Polizei derweil brauchte für die Aufnahme der Anzeigen ungewöhnlich lange, zeigte sich überfordert und konnte innerhalb des Tages nicht alle Anzeigen entgegennehmen.

Die Menschen vor den Polizeistationen stammten allesamt aus Gegenden, die durch französische AKW gefährdet sind, darunter aus Belgien, der Schweiz, Luxemburg und Deutschland.
Auch Personen aus dem Trierer Raum waren darunter. Schließlich sind die vier skandalträchtigen Reaktoren von Cattenom keine 50 Kilometer von Trier entfernt in Betrieb.

Zuletzt zeigte eine Studie von Greenpeace Frankreich, wie wenig die französischen Anlagen vor Fremdeinwirkungen geschützt sind. Die Abklingbecken unter anderem von Cattenom, die immerhin für die dauerhafte notwendige Kühlung der zwar ausgemusterten, aber aufgrund ihrer Nachzerfallswärme und andauernden Radioaktivität für Jahre noch hochgefährlichen Brennelemente verantwortlich sind, befinden sich in dünnwandigen Lagerhallen – kaum geschützt gegen Angriffe von außen.

Zuletzt zeigten zwei Aktionen von Greenpeace, bei denen es Aktivisten gelang, das Gelände vom AKW Cattenom und Cruas-Meysse zu betreten und mit Feuerwerk oder Projektoren dies zu demonstrieren, wie wenig die französischen Anlagen vor Fremdeinwirkungen geschützt sind.
Für einen kürzlich von Greenpeace Frankreich veröffentlichten Report (siehe weiterführende Links) hatten unabhängige Experten sieben Atomanlagen in Belgien und 58 in Frankreich auf ihre Anfälligkeit für Angriffe von außen untersucht; die detaillierten Ergebnisse legte Greenpeace aus Sicherheitsgründen allerdings nur den französischen Behörden vor. Sie belegen das enorme Sicherheitsrisiko, das mit dieser leichtfertigen Bauweise der Abklingbecken vorherrscht.

Auch ein weiterer Report von vor einem Jahr (siehe weiterführende Links: "Cattenom droht akuter Störfall") erhöht nicht die Zuversicht, dass AKW- Betreiber EDF weiß, was er da macht: Damals ging es um brüchigen Stahl, der in zentralen Elementen wie dem Druckbehälter verbaut wurde und nicht für die ihm angemutete Materialbelastung geschaffen ist.

Diese Sicherheitsrisiken sind der französischen Regierung bekannt. Getan hat sie bislang wenig. Deshalb versuchten am vergangenen Samstag insgesamt 250 Bürger aus Frankreich, Belgien, Luxemburg, der Schweiz und Deutschland Anzeige zu erstatten: Sie wollen nicht mehr hinnehmen, dass gefährliche Meiler ihr Zuhause, ihre Gesundheit und im Falle Luxemburg sogar die Existenz ihres Staates bedrohen.

Weiterführende Links

Aktueller Report von Greenpeace Frankreich zur Sicherheitslage französischer Atomanlagen (Zusammenfassung auf Englisch)
Greenpeace Trier vom 2.10.2016: "Cattenom droht akuter Störfall"