Am gefährlichsten ist der Müll,

Media

Trier, 18.12.2008: Vor genau einem Jahr hat der Stadtrat für eine Beteiligung der Stadtwerke Trier an einem Kohlekraftwerk gestimmt. Heute morgen hat die Greenpeace Gruppe Trier den Stadtwerken Trier (SWT) deshalb ein besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht: Die Gruppe setzte ein 3 mal 3 Meter großes CO2-Symbol vor dem SWT-Verwatungsgebäude in Flammen. Auf einem Banner steht: “Keine neuen Kohlekraftwerke! Klimaschutz geht anders!”. Zudem errichteten die Aktivisten einen Berg aus Kohlenstoffdioxid (CO2)-Säcken vor dem Eingang des Gebäudes. Das Volumen (rund 4000 L) der Säcke entspricht dem Volumen an CO2 , das Trier ab 2012 allein durch seinen Kohlestrom alle 4 Sekunden ausstoßen wird.

“Am gefährlichsten ist der Müll, den man nicht sieht!” erklärt Philipp Jakobs, Pressesprecher der Greenpeace-Gruppe Trier. “CO2 ist absolut klimaschädlich! Wir verdeutlichen mit unserem Geschenk, wie viel CO2 bei der Kohleverstromung entsteht. Bald bekommt Trier 10% des Stroms aus einem neuen Kohlekraftwerk. Die Beteiligung ist nicht nur ein ökologisches Desaster, sondern kann auch finanziell gesehen für die Trierer zum Millionengrab werden!” fügt der Umweltaktivist hinzu.

Vor genau einem Jahr hat der Stadtrat entschieden, dass die SWT sich an einem neuen Kohlekraftwerk der RWE beteiligen dürfen. Das Kohlekraftwerk wird gerade in Hamm (Nordrhein-Westfalen) gebaut und wird spätestens 2012 ans Netz gehen. Ab dann wird auch Trier von dort Kohlestrom beziehen und damit jede Sekunde etwa 1000 Liter CO2 produzieren.Viele Trierer BürgerInnen haben sich im Vorfeld gegen diesen Plan gewehrt: Innerhalb weniger Monate haben 2400 TrierInnen den Einwohnerantrag 'Kein neues Kohlekraftwerk für Trier' unterschrieben.

Alternativen liegen auf der Hand: Zahlreiche Studien belegen, dass die Stromversorgung in Deutschland durch Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien möglich ist: Zum Beispiel der im Internet erhältliche 'Plan B' von EuTech. Eine Studie, die im Auftrag von Greenpeace erstellt wurde. Auch für Trier wurde von der Planungsgemeinschaft 2001 ein Konzept erstellt, das untersucht, wie die Region Trier mit 100% erneuerbaren Energien versorgt werden kann. Dass die SWT auch anders können, zeigt sich bei der Photovoltaikanlage in Föhren. Warum wurde zuvor in das Kohlekraftwek investiert?

Das Kohlekraftwerk wird jährlich mehr als 9 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Das entspricht etwa dem Ausstoß Jamaikas. Preisstabilität ist ebenfalls nicht sichergestellt, auch wenn genau damit für das Vorhaben geworben wurde. Kohle auf dem Weltmarkt wird teurer werden. Zusätzlich müssen Energieerzeuger Emmissionszertifikate bald selbst bezahlen. Die Kosten übernimmt letztlich der Endverbraucher. Bis zu 25 weitere Kohlekraftwerke sind in Deutschland geplant. Diese werden den Ausstoß von Treibhausgasen erhöhen und die Energiewende für weitere 40 Jahre blockieren. Es ist absurd, dass die Politik dies einerseits zulässt und andererseits von Klimachutz spricht.

Im Zuge des Klimawandels ist die Kernkraft zur Stromerzeugung wieder ins Rampenlicht gerückt. “Atomenergie ist keine Lösung!” ergänzt Alexander Schmidt, Experte für Atomenergie der Greenpeace Gruppe Trier. “Hochradioaktiver Atommüll strahlt noch 1 Million Jahre. Es gibt keine Möglichkeit, das Material sicher zu lagern. Hinzu kommt das Risiko eines Unfalls wie er 1986 in Tschernobyl passiert ist.” Dieser Fakten zum Trotz baut RWE nicht nur Kohlekraftwerke sondern möchte sich aktuell auch ein Atomkraftwerk in Belene in einem Erdbebengebiet in Bulgarien fertigstellen. Der neue RWE Tarif “ProKlima Strom 2011” besteht zu 68% aus Atomkraft. “Es ist daher dringend davon abzuraten, diesen Tarif zu nutzen.” erklärt Schmidt. Hinzu kommt, dass er teurer ist als die meisten Ökostromangebote (die Greenpeace-Gruppe Trier informierte im November).