30 Jahre Tschernobyl

Media

Mit einem auffälligen Banner und einem großen Infostand in der Innenstadt unmittelbar nahe der Porta Nigra informierten wir interessierte Passanten über den Super-GAU, der sich vor 30 Jahren im Atomkraftwerk Tschernobyl ereignete, und über die aktuelle Situation der weiterhin strahlenden Reaktor-Ruine und ihrer zur Todeszone erklärten Umgebung. Die Passanten bekamen dabei die Gelegenheit, ihre eigenen Gedanken zu dieser Katastrophe auf kleinen Zetteln aufzuschreiben. Sie wurden anschließend an das Banner geheftet.

Dabei wurden insgesamt 98 Zettel mit kurzen und teils sehr persönlichen Gedanken über die Katastrophe in dem damals sowjetischen Atomkraftwerk gesammelt (sie werden nun auch nach und nach auf unserem Facebook-Account zu sehen sein). Die Resonanz war trotz des recht wechselhaften Wetters sehr groß und viele zeigten sich nachdenklich interessiert.
Unabhängig von dieser langen Zeitspanne, die es mittlerweile zurückliegt, hat dieses tragische Ereignis einen festen Platz in den Köpfen der Passanten. Und in der Tat werden seine dramatischen Folgen noch weit in die Zukunft hinein ein aktuelles und brisantes Thema für die Menschheit bleiben.

Bei dieser größten Katastrophe in der Geschichte der Kernenergie-Nutzung vor nun genau 30 Jahren zerstörten zwei Explosionen im Reaktor 4 des Atomkraftwerks von Tschernobyl das Dach und den Reaktorkern, in dem sich zu diesem Zeitpunkt 190 Tonnen hochradioaktives Material befanden. Der Wind verbreitete die so entstandende Wolke aus radioaktiven Aerosolen über weite Teile der Sowjetunion sowie Europas aus. 400.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen. 8,3 Millionen Menschen lebten plötzlich in kontaminierten Gebieten. 600.000 bis 800.000 sogenannte "Liquidatoren" mussten ihr Leben für die Aufräumarbeiten aufgrund extremer Strahlenbelastungen riskieren. Nicht nur unmittelbar nach der Katastrophe stieg die Zahl der erkrankten Menschen stark an - bis heute sind die Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Umwelt nachweisbar.
https://www.greenpeace.de/search/field_tags/Tschernobyl-345

Die Menschheit scheint derweil wenig aus dieser Katastrophe gelernt zu haben und setzt in weiten Teilen der Welt weiterhin auf Stromproduktion durch Kernreaktoren. So sieht sich auch Trier durch das circa 60km entfernte und durch regelmäßig auftretende Störfälle sehr prominent gewordene Atomkraftwerk "Cattenom" bedroht. Tschernobyl läßt erahnen, welche Auswirkungen die gesamte Region zu befürchten hätte, sollte einer der Störfälle ähnlich verherrend wie vor 30 Jahren sein. Auch dies beschäftigt die Passanten, wie sich in Gesprächen und auf den Gedankenzetteln erkennen ließ.
Wir, die Trierer Greenpeace-Gruppe, setzen uns auch weiterhin für die sofortige Abschaltung der insgesamt vier Reaktoren dieses französischen Kraftwerks ein.