RWE zerstört Kultur

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Am 7. Januar protestierten Greenpeace-Aktivisten gegen den Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert. Nichtsdestotrotz wurde es in den kommenden Tagen komplett abgerissen.

Der Grund ist so banal wie ungläubig: Der Energiekonzern RWE möchte seinen Tagebau Garzweiler ausbauen, um weiterhin an der Kohleverstromung festzuhalten, und das

trotz Energiewende,

trotz beschlossener Klimaziele,

trotz Studien, die ein baldiges Ende der Kohleenergie und der damit einhergehenden Industrie vorhersagen (siehe Link weiter unten),

trotz zahlreicher Demonstrationen gegen Kohletagebaue (wie zuletzt in Bonn parallel zur internationalen Weltklimakonferenz),

trotz seiner substanzlosen Werbeversprechen für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Energieversorgung (auch unter dem neumodischen Auftritt als "innogy") - und nicht zuletzt

trotz der schwerwiegenden Folgen für eine Gesellschaft, die eine Zwangsumsiedlung und die weitreichende Zerstörung von dem, was für sie Heimat und gelebtes Zusammensein darstellt, bedeutet.

 

Die Entscheidungsträger scheinen durch diese Maßnahmen eine Weltsicht zu offenbaren, die nur noch aus schwarzen und roten Zahlen und sonst nichts mehr besteht.

Dass erlebte Kultur, zu der auch die friedliche Ausübung von Religion zählt, und die Verortung individueller Lebensgestaltung mit einer bestimmten Lokalität, die man "Heimat" nennen darf, doch wichtige Bestandteile des lebenswerten menschlichen Daseins sind, dem alle Anstrengungen doch dienlich sein sollten, scheint dabei aus den Augen verloren.

 

"Destroy capitalism! [Zerstört den Kapitalismus]" war das Schlusswort von W. da Costa in seiner emotionalen Rede bei der bereits angesprochenen Großdemonstration vergangenen Herbst in Bonn. "Capitalism destroys. [Der Kapitalismus zerstört]" dürfte wohl eher die gängige Regel sein. Denn offenbart in solchen Exempeln, wie sie RWE statuiert, zeigt sich: Er bedroht unsere Umwelt, er bedroht unsere Zukunft, er bedroht die Qualität menschlichen Lebens. Und dies zugunsten einer Industrie, die keine Zukunft in dieser Welt mehr kennt, außer für diejenigen, die entweder rein narzisstisch oder in Mustern von gestern denken.

 

Unnötig ist dabei zu erwähnen, dass religiösen Bauwerken aufgrund ihrer symbolträchtigen Bedeutung eine besondere Funktion in der kulturellen Auslebung zukommen - auch aus diesem Grunde stand der Dom -eigentlich- unter Denkmalschutz.

„Es ist unglaublich, dass ausgerechnet eine CDU-geführte Landesregierung die Zerstörung von Kirchen für den Kohleabbau zulässt, während sie zugleich in Berlin über den Kohleausstieg verhandelt“, sagt Anike Peters, Greenpeace-Expertin für Energie.

 

"Das Fehlen politischen Mutes, der vielleicht nicht allen Industrielobbies gefällt," nannte Jennifer Morgan, Leiterin von Greenpeace International als Grund für das stattfindende "globale Verbrechen", das mit der Förderung der Kohletagebaue in Deutschland begangen wird und als "zivilisatorischer Abgrund" anzusehen ist.

 

Greenpeace fordert einen schrittweisen, sozialverträglichen Kohleausstieg bis zum Jahr 2030. Er ist machbar – die Politik muss ihn nur wollen!

Weiterführende Links

Kurzanalyse im Auftrag von Greenpeace - Kohlekraftwerke können vom Netz gehen
Greenpeace-Trier-Artikel zur Klima-Kohle-Demo in Bonn vergangenen Herbst
Die vollständige Rede von W. da Costa, Demand Climate Justice Network (Philippines) bei der Klima-Kohle-Demo [english]
Die vollständige Rede von Jennifer Morgan, Greenpeace International bei der Klima-Kohle-Demo
"Die Kirche im Dorf lassen" - Artikel von Greenpeace Deutschland zur Demonstration am Immerather Dom